Designer Felix Severin Mack von FRAUMAIER im Interview: „Erst durch Leiden an der eigenen Existenz wird der Künstler interessant für den Markt“

 

 

Wann haben Sie das erste Mal gedacht, ich möchte Designer werden und wie kam es dann zur Gründung von FRAUMAIER?

Designer oder lieber „Gestalter“ wird man nicht, das ist man. So wie fußlahm, picklig oder anderweitig eingeschränkt. Das ist ja auch alles kein Vergnügen, sondern harte Arbeit! Stellen Sie sich eine Amsel vor: steht morgens früh auf und fängt dann gleich an, Würmer aus dem Boden zu ziehen. Den ganzen Tag macht sie das. Jetzt ziehen Sie von der Amsel das Folgende ab und schicken sie wieder auf Wurmfang: Flügel, Beine, Schnabel und Verstand, dann haben Sie die Situation eines Designers. Wirklich anstrengend ist das.

FRAUMAIER wurde vor 12 Jahren gegründet als Gegenreaktion auf Beleuchtungsabteilungen in Baumärkten und allfällig herumstehenden Tiffany Leuchten. Missstände in der Gesellschaft müssen nicht nur angeprangert werden, sie bedürfen auch einer Alternative. Die zeitgenössische Philosophie gibt uns hier Leitmotive, wie ein Zitat von Ben Parker veranschaulicht:“ Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ oder in unserem Fall. „ Einem großen Loch im Sparstrumpf folgte ein gestopftes Bankkonto“. Unser Altruismus blieb dabei nie auf der Strecke: immer schon wollten wir sehr gute Produkte zu sehr vernünftigen Preisen anbieten. Design muss demokratischer werden. Schönheit für alle! Aber das Geld bitte an mich.

Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen könnten?

Nein, muss man nicht haben! Sie gehen nie aus, sie werden nur dermaßen schlecht, das man ob der eigenen Hybris die ganze Firma ruiniert, drum zieht man sich irgendwann ein paar Hungerleider aus dem übervollen Pulk der vagabundierenden Designer, bittet sie um tolle Entwürfe und die klaut man dann – so wie es die großen Firmen eben machen. Denn merke: erst durch Leiden an der eigenen Existenz wird der Künstler interessant für den Markt (vergleiche: van Gogh und Konsorten).

Wie kommen Sie eigentlich auf die Namen Ihrer Objekte?

In der Regel sind die Produkte nach Menschen aus meiner Umgebung benannt. Nur nach Liebenswürdigen natürlich. Auch wenn ich hier schon falsch lag. Eines meiner Produkte heißt nach einer hundsmiserablen Person. Das war aber ein Versehen. Und das Produkt FatSophie ist nach Niemandem benannt. Nach NIEMANDEM, liebe Sophie!….

Haben Sie ein Lieblingsmaterial?

Ja. Mehrere. Zuvorderst: das Material aus dem Würstchen gemacht sind. Diese Vorliebe teilen uns frauMaier und ich. Desweiteren: der Stoff aus dem die Träume sind – und ich rede hier nicht von dem Zeug, das Sie am Bahnhof kriegen. Vielmehr von der unerklärlichen Substanz, die einem in einem glücklichen Moment hilft, zusammen mit Zufall, Talent und einem gerüttelt Maß Vorarbeit, etwas zu entwerfen, das Anderen so gut gefällt, wie einem selbst. Ich stelle mir das in etwas so vor, wie das, was in den Sodamaxx Kartuschen steckt. Ich bin die Flasche. Dann drückt wer. Dann sprudelt‘s. Dann ist‘s gleich viel weniger fad.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte Fehler, den man rund ums Licht machen kann?

Leuchten unserer Konkurrenz zu kaufen.
Sollten Sie aber auf einen Tipp aus sein, was zu tun ist, dann wäre es: keine Deckenleuchten in Wohnräumen anbringen (Bad, Flur, Esszimmer, Küche, bejahen wir alles) nur eben nicht im Wohnraum. Stellen Sie lieber viele Leuchten auf, in jede Ecke eine und akzentuieren Sie ggf. ein paar Bilder an der Wand mit Spots aber bitte keine Allgemeinbeleuchtung an die Decke. Das verhagelt die Romantik. Letztere mag nicht mehr den Kitt Ihrer Beziehung bilden, sie mag dem Ehegattensplitting und der nicht abbezahlten Ferienwohnung auf Menorca gewichen sein, aber denken Sie an Ihre Gäste: auch die haben ein Recht, sich wohlzufühlen. Zumindest solange bis Sie ihnen Bilder ihres letzten Urlaubs zeigen. Hier hälfe dann nur: Licht ganz aus.

Wie sieht eigentlich Ihr eigener Arbeitsplatz aus?

Dresden 45 ist hier als Bild oft bemüht worden…Der rechte Teil gleicht eher dem, was ein eiszeitlicher Gletscher als Endmuräne zurückgelassen hat. Aktuell sieht er vortrefflich aus, denn ich räume in Schüben auf. Ein Schub ist gerade vorüber und recht bedeutsame Schriftstücke des Finanzamtes versehentlich im Schredder gelandet, aber dafür sehe ich nun meine Kollegin wieder, die sich in dem einen Jahr kaum verändert hat.

Gibt es ein Must-have beim Wohnen und welches Möbelstück ist für Sie überflüssig?

Das Must-have beim Wohnen ist natürlich Bargeld. Warum? Weil wir seit Tine Wittler wissen, dass es Geschmack nicht sein kann. Wenn Ihnen auch das fehlt, grämen Sie sich nicht! Achten sie einfach darauf, dass Ihre Einrichtung nicht Ihren Charakter widerspiegelt. Statistisch gesehen ist das dem ästhetischen Genuss weit öfter abträglich als förderlich. Grade wenn Sie länger nicht gebeichtet haben.

Überflüssiges gibt es nur in Singlewohnungen. In Wohnungen mit mehreren Beteiligten wandelt sich Überflüssiges in Verhandlungsmasse: mein 4 Meter Erbbuffet in Palisander, das über Generationen Bodenträger in unzähligen Häusern hat bersten lassen gegen Deinen Aufsteller von Lara Croft. Ansonsten gilt: weniger ist weniger. Einzige Ausnahme: Erbbuffets. Hier ist weniger Buffet, mehr Platz für Aufsteller…

Zum Schluss: Ihr Stil in 3 Worten…

brilliant, spektakulär, bescheiden.